Isselburg und BORnet – Die Verbindung kommt nicht zustande
Jetzt ist es also amtlich. Bis zum Stichtag 26.11.2011 haben sich nicht genug Isselburger bereit erklärt, das Angebot von BORnet für das so genannte schnelle Internet durch Glasfaserverkabelung anzunehmen.
Dabei hat sich BORnet doch so sehr bemüht. Informationsveranstaltungen in allen Ortsteilen,
Bannerwerbung in der ganzen Stadt, eine Website für die Isselburger mit Internetanschluss, Verlängerung der Meldefrist. Ja, sogar lokale Prominenz aus Verwaltung und Politik wurde aufgeboten, um den Bürgern einen Anschluss ans Glasfaserkabelnetz schmackhaft zu machen. Es hat alles nichts genutzt. Das Echo blieb zurückhaltend, das Interesse gering.
Dabei sind doch Leute, die keinen Glasfaseranschluss haben wollen, ganz schreckliche Menschen. Zumindest in den Werbebroschüren von BORnet. Diese Leute sind
- gegen eine „Technologie der Zukunft“, also Fortschrittsfeinde,
- gegen „die Zukunft der Kinder, die jeweiligen Ortsteile“,
- gegen den „Zuzug von jungen Familien“.
- Sie nehmen einen „schweren Standortnachteil“ Isselburgs und
- „bis zu 20 % Wertverlust von Häusern“ in Kauf.
Solche Leute gehören natürlich strengstens bestraft, meint BORnet: So „… kann es passieren, dass es noch viele Jahre dauern wird, bevor Isselburg diese großartige Chance wieder bekommt.“ (Alle Zitate aus den BORnet-Werbematerialien)
Alles klar: Sind die Isselburger ja selbst schuld, wenn sie weiter rückständig bleiben.
So einfach sollten BORnet und seine Unterstützer es sich aber nicht machen, sondern sich fragen: „Was habe ich in Isselburg falsch gemacht, dass die Resonanz so schwach war?“
Hat BORnet sich vorher überhaupt Gedanken über folgende Punkte gemacht?
- Wer sind meine potentiellen Kunden in Isselburg?
- Wie ist die Versorgungssituation mit (schnellem) Internet
a) in ganz Isselburg?
b) in den einzelnen Ortsteilen?
- Wer sind meine Konkurrenten vor Ort?
Die geringen Anmeldezahlen sprechen dafür, dass BORnet sich solche Fragen vorher gar nicht erst gestellt, geschweige denn eine Antwort darauf gesucht hat. Vielmehr vermitteln die niedrigen Prozentzahlen der einzelnen Ortsteile ganz andere Botschaften:
- Viele Isselburger brauchen das von BORnet angebotene Produkt überhaupt nicht.
- Andere sind bereits anderweitig zufriedenstellend versorgt. Isselburg und Werth sind schon mit 16000+ Leitungen versorgt. Für den Otto-Normal-Verbraucher ist das völlig ausreichend. Und in anderen Ortsteilen gibt es auch andere technische Möglichkeiten. So kann man auch heute schon in fast ganz Anholt oder Vehlingen z.B. per Mobilfunk im D2-Netz bis zu 7,2 Mbit/s schnell im Internet surfen. Das ist zwar keine DSL-Geschwindigkeit, aber doch meilenweit von der so oft herbeigeredeten Steinzeit entfernt.
- Das von BORnet angebotene Produkt hat sie nicht überzeugt oder
- sie fanden die Art nicht sehr verlockend, wie BORnet ihnen die Pistole auf die Brust gesetzt hat („40 % sofort oder gar nicht“).
- Mit den Kosten so lange wie möglich hinterm Berg zu halten, erweckte bei vielen den Eindruck, BORnet wolle den Leuten etwas aufschwatzen anstatt offen zu informieren.
- Deswegen wirkte die Angstmache durch BORnet (Wertverlust von Häusern etc., siehe oben) auf mögliche Kunden auch eher abstoßend.
- Eher kontraproduktiv (aber woher soll BORnet das auch wissen?) war sicher auch die Idee, Herrn Spaan als Werbeonkel fürs Glasfaserkabel einzuspannen. Viele Isselburger hat es empört, dass ein scheinbar amtliches Schreiben mit offiziellem Briefkopf der Stadt nichts als Werbung für ein kommerzielles Unternehmen enthielt (Zitat Spaan im HFA am 9.11.:„Hat alles BORnet bezahlt.“).
- Und die Prozentzahlen zeigen, dass die Werbung mit den drei Lokalpolitikerköpfen auf der DIN-A-3-Broschüre von BORnet wohl auch nicht den großen Durchbruch gebracht hat. (Die professionelle Werbebranche setzt in solchen Fällen eher auf leicht bekleidete blonde Girls als Blickfang)
Wer jetzt den Isselburgern Vorwürfe macht, weil zu viele die „riesige Chance“ nicht haben wahrnehmen wollen, macht es sich zu einfach. Es trifft eher zu, dass sich BORnet in Isselburg nicht sonderlich viel Mühe gegeben hat zu überzeugen. Wenn das so in Barlo funktioniert hat, lässt sich dieselbe Strategie wohl nicht unbedingt 1:1 auf andere Städte übertragen. Zumindest so viel Erkenntnis sollte BORnet aus seiner Erfahrung in Isselburg mitnehmen.
Ulrich Halfmann
PS: „Aha!“ werden manche jetzt denken, „Die Grünen sind mal wieder gegen den technologischen Fortschritt.“ Falsch gedacht. Das eine ist, sich für eine bestimmte technische Errungenschaft auszusprechen, weswegen sich viele Isselburger Grüne auf dem Stadtfest in Herrn Rauers Liste für schnelleres Internet eingetragen haben. Etwas anderes ist es, sich zu Werbezwecken vor den Karren eines bestimmten privaten Anbieters spannen zu lassen. Oder gibt es demnächst auch Werbebriefe von der Stadt, mit denen uns wärmstens der Einkauf in einem der örtlichen Supermärkte ans Herz gelegt wird?
[zurück]